Besuch in der Windkraftanlage „Großer Wald“

Im letzten Gemeindeblatt (Nr. 27) hat die Grüne Liste Hirschberg über einen Besuch der Windkraftan­lage „Großer Wald“ in Buchen berichtet, die mitten im Wald errichtet wurde. Wer sich ein Bild von der Zerstörung machen möchte, kann sich ja hier http://www.windpark-grosser-wald.de/vor_ort/vor_ort.html einmal die Fotos des Betreibers selbst ansehen. Leider haben sich in der Darstellung im Gemeindeblatt einige Ungenauigkeiten eingeschlichen. Die eingesetzte Windkraftanlage ist vom Typ „REpower 3.2M114“, Daten dazu hier:

http://www.wind-turbine-models.com/turbines/882-senvion-3.2m114 http://www.thewindpower.net/turbine_de_577_senvion_3200.php

Im Artikel steht „Die Nennleistung pro Windrad beträgt 3200 kW, die Gesamtleistung des Windparks also 16 MW“. Dies ist leider so falsch. Die Gesamt-Nennleistung ist 16 MW, nicht jedoch die reale Leistung. Die Nennleistung eines Windrades ist die maximale Leistung und wird bei Nenndrehzahl er­reicht – so wie ein Automotor mit 100 PS diese auch nicht ständig leistet, bringt auch eine WIA diese Leistung nur bei passendem Wind. Diese Nennleistung entspricht bei der o.g. Anlage einer Windge­schwindigkeit von 12 m/s. Bei einer mittleren Windgeschwindigkeit von 5,9 m/s (wie angegeben) er­gibt sich leider nur eine Ausbeute von ca. 10%, d.h. nur ca. 1,7 MW realer Leistung (330 kW pro An­lage, s. Leistungskurve)! Das ist die Nennleistung von 2-3 Mittelklasse-PKW pro Anlage. Unter 3 m/s Windgeschwindigkeit läuft der Rotor gar nicht erst an. Da erzeugter Strom nicht gespeichert werden kann, ist eine Versorgung von Haushalten ohne Unterstützung grundlastfähiger Erzeuger gar nicht möglich. Fußball-EURO im TV ansehen bei Windstille?

Wie z.B. aus dem Vortrag der Drs. Riffel/Münderle in Rippenweiher bekannt ist, ist nur ein Bruchteil der getöteten Vögel und Fledermäuse direkt beobachtbar, da diese weggeschleudert und/oder durch andere Tiere entfernt wurden, bevor sie gezählt werden konnten.

Die Feststellung, Infraschall sei schon in 300 m Entfernung nicht mehr wahrzunehmen, zeugt von völ­liger Unkenntnis und Unterschätzung des Themas. Infraschall ist unhörbar und kann – nicht muss – als Vibration wahrgenommen werden. 25 % der Menschen hören sogar bis in den Infraschallbereich hin­ein1. Internationale Studien zeigen – dies wurde auf dem Vortrag von Dr. Slesina in Schriesheim über­deutlich – daß mit erheblichen Beeinträchtigungen zu rechnen ist, darum haben manche Länder ihre Windkraftprogramme bis zur Klärung gestoppt. Wer dies ignoriert oder schönredet, nimmt die Gefähr­dung der Gesundheit seiner Mitmenschen zugunsten finanzieller Gewinnerwartungen in Kauf. Eine Studie zur Harmlosigkeit von Infraschall des LUBW, das selbst Windindustrie mit der Brechstange etablieren will, kann wohl kaum als unabhängig betrachtet werden – zumal, wenn sie einer erhebli­chen Anzahl internationaler Studien im Ergebnis seltsamerweise widerspricht. Das LUBW stützt sich auf eine Beurteilungsvorschrift (TA Lärm/DIN45680) von 1990 – die aktuelle Version ist von 1998 und wird gerade überarbeitet (2013), um aufgrund aktueller Erkenntnisse verschärfte Beurteilungskriterien zu etablieren. Dass das potentielle Windindustriegebiet „Hohe Waid“ nur 1km von Leutershausen ent­fernt liegt („Großer Wald“: 2km zum Ort), macht einen weiteren wichtigen Unterschied. Inzwischen gibt es auch deutlichen Widerstand gegen weitere Windindustrieanlagen im Umfeld zum „großen Wald“. Der Strom dort wird für 9,72 Cent/kWh verkauft, der Börsenpreis ist aber nur bei ca. 2,5 Cent/kWh – woher kommt die Differenz?

(https://proteus-solutions.de/~Photovoltaik/Strompreis:tM.F06!sM.EX1.asp)

In unseren Augen ist eine Anlage – ehrlich gerechnet – nur dann „wirtschaftlich“, wenn Sie ohne einen Zuschuß von über 7 Cent/kWh (d.h. fast eine Vervierfachung des eigentlichen Börsenpreises!) aus der EEG-Umlage auskommt. Wer sich über seine hohe Stromrechnung ärgert, muß sich klarmachen, daß er auf diesem Wege die EEG-Umlage mitfinanziert – das trifft besonders niedrige Einkommen hart und ist damit unsozial. Ca. ¼ Ihrer Stromrechnung dient zur Subventionierung nicht-grundlastfä­higer Stromerzeugung.

Leider werden immer wieder falsche Fakten kolportiert – ob aus Unwissenheit oder Absicht, und zu unserem großen Bedauern lassen sich Befürworter kaum sehen auf den Veranstaltungen, auf denen wir aufklären. Stattdessen werden gerne persönliche Unterstellungen abgeschossen. Nein – das alles ist keine Glaubensfrage, die Methode der „Zwangsbeglückung“ erinnert zuweilen aber daran. Alle Interessierten – und gerade die „Grünen“ – sind eingeladen, mit uns in die Sachdiskussion zu ge­hen und die z.B. oben genannten oder von Dr. Ahlborn vorgetragenen Fakten zu widerlegen oder sich überzeugen zu lassen. Windkraft wird oft fast mit religiösem Eifer verteidigt – wer ist bereit, sich auf die Fakten zu konzen­trieren? Sprechen Sie uns an – wir bleiben weiter „hart am Wind“!

„Eines Tages wird der Mensch den Lärm ebenso unerbittlich bekämpfen müssen, wie die Cholera und die Pest.“

(Robert Koch, dt. Nobelpreisträger für Medizin, 1910)

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